Warum frisst meine Katze ihr Futter nicht auf?
- CATSINESS

- vor 33 Minuten
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Neue Studie zeigt: Es könnte am Geruch liegen.

Du stellst deiner Katze ihr Lieblingsfutter hin und trotzdem bleibt ein Teil davon im Napf liegen? Vielleicht kennst du auch dieses Szenario: erst wird lautstark nach Futter verlangt, dann wird ein paar Minuten gefressen und anschließend ist die Katze plötzlich offenbar satt. Oder sie schaut dich erwartungsvoll an, als wäre das halb volle Schälchen überhaupt nicht das, was sie bestellt hat.
Eine neue Studie aus Japan liefert jetzt eine interessante Erklärung dafür: Nicht nur das Sättigungsgefühl beeinflusst, wie viel Katzen fressen. Auch der Geruch des Futters scheint eine wichtige Rolle für ihre Fressmotivation zu spielen.
Katzen hören nicht einfach auf zu fressen, weil sie satt sind
Ein Forschungsteam der Iwate University in Japan untersuchte, wie sich wiederholte Geruchsexposition auf das Fressverhalten von Katzen auswirkt. Dafür beobachteten die Forschenden zwölf gesunde Katzen im Alter von drei bis 15 Jahren. Die Tiere bekamen verschiedene kommerzielle Trockenfutter und wurden in mehreren Fütterungsdurchgängen beobachtet. Das Ergebnis war bemerkenswert:
Wenn die Katzen wiederholt dasselbe Futter bekamen, nahm ihre Futteraufnahme im Verlauf der Versuche ab. Wurde dagegen ein anderes Futter oder sogar nur ein anderer Futtergeruch präsentiert, stieg die Futteraufnahme wieder an.
Das deutet darauf hin, dass eine Katze nicht ausschließlich deshalb aufhört zu fressen, weil ihr Magen bereits ausreichend gefüllt ist.
Der Geruch des Futters kann die Fressmotivation beeinflussen
Die Forschenden sprechen von olfaktorischer Habituation und Dishabituation. Vereinfacht gesagt bedeutet das: ein Geruch, der immer wieder auftritt, verliert mit der Zeit einen Teil seiner stimulierenden Wirkung. Ein neuer oder veränderter Geruch kann dagegen wieder Aufmerksamkeit erzeugen.
Genau dieses Muster zeigte sich auch in den Experimenten mit den Katzen. Wurde über mehrere Durchgänge dasselbe Futter angeboten, nahm die Futteraufnahme ab. Wurde anschließend ein anderes Futter angeboten, stieg sie wieder an. Interessanterweise konnte bereits ein anderer Geruch die Fressmotivation erhöhen, obwohl das eigentliche Futter gleich blieb.
Die Forschenden sehen darin einen möglichen Mechanismus, der dazu beiträgt, dass Katzen typischerweise mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt aufnehmen.
Warum ist der Geruch für Katzen so wichtig?
Für Katzen ist der Geruchssinn ein zentraler Bestandteil ihrer Wahrnehmung. Sie nutzen Gerüche unter anderem zur Orientierung, Kommunikation und Bewertung ihrer Umwelt. Auch beim Fressen spielen Geruchsinformationen eine wichtige Rolle. Das passt zu dem, was wir über das natürliche Fressverhalten von Katzen wissen: Katzen sind auf viele kleine Beutetiere und damit auf zahlreiche einzelne Nahrungssituationen ausgelegt. Ihr Fressverhalten unterscheidet sich deshalb deutlich von dem eines Tieres, das beispielsweise einmal täglich eine große Mahlzeit aufnimmt. Die neue Studie ergänzt dieses Wissen um einen interessanten Aspekt: Nicht nur die Menge der aufgenommenen Nahrung, sondern offenbar auch die sensorische Attraktivität des Futters kann die aktuelle Fressmotivation beeinflussen.
Bedeutet das, dass Katzen ständig ein anderes Futter brauchen?
Nein. Das wäre eine zu weitgehende Schlussfolgerung aus der Studie. Die Untersuchung zeigt nicht, dass Katzen täglich verschiedene Futtersorten benötigen oder dass ein möglichst häufiges Wechseln des Futters grundsätzlich besser ist. Sie zeigt vielmehr, dass wiederholte Exposition gegenüber demselben Futtergeruch die Futteraufnahme reduzieren kann und ein neuer Geruchsreiz die Fressmotivation wieder erhöhen kann.
Außerdem war die Untersuchung mit zwölf Katzen relativ klein. Die Tiere waren zudem nicht kastriert bzw. sterilisiert, weshalb weitere Forschung notwendig ist, bevor sich die Ergebnisse ohne Einschränkung auf alle Hauskatzen übertragen lassen.
Die Studie ist deshalb ein interessanter Baustein aber keine allgemeingültige Erklärung für jedes wählerische Fressverhalten.
Meine Katze lässt immer etwas im Napf, muss ich mir Sorgen machen?
Nicht unbedingt. Wenn deine Katze regelmäßig kleine Mengen frisst, ihr Gewicht stabil ist, sie sich normal verhält und insgesamt ausreichend Nahrung aufnimmt, muss ein leerer Napf nicht das Ziel sein. Gerade bei Katzen kann es vollkommen normal sein, eine Mahlzeit nicht auf einmal vollständig zu fressen.
Entscheidend ist deshalb weniger die Frage:
„Warum leert meine Katze den Napf nicht?“
Sondern vielmehr: „Hat sich das Fressverhalten meiner Katze verändert?“ Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wann sollte ich genauer hinschauen?
Wenn eine Katze plötzlich deutlich weniger frisst als gewohnt, sollte man das nicht einfach mit einem „Sie mag das Futter nicht mehr“ erklären. Eine verminderte Futteraufnahme kann viele Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Veränderungen im Umfeld, Stress oder Schmerzen. Auch Erkrankungen können dazu führen, dass eine Katze weniger frisst.
Deshalb gilt insbesondere bei einer plötzlichen oder deutlichen Veränderung des Fressverhaltens: Die Katze sollte tierärztlich untersucht werden. Die aktuelle Studie untersucht einen bestimmten Einflussfaktor auf die Fressmotivation. Sie ersetzt keine medizinische Abklärung.
Könnte ein neuer Geruch Katzen zum Fressen animieren?
Genau hier könnte die Studie in Zukunft praktisch interessant werden. Die Forschenden vermuten, dass ihre Ergebnisse insbesondere für Katzen relevant sein könnten, die Schwierigkeiten haben, ausreichend Nahrung aufzunehmen. Der Studienleiter Masao Miyazaki äußerte die Hoffnung, dass ein neuer Geruchsreiz künftig genutzt werden könnte, um bei kranken Katzen die Fressmotivation zu steigern.
Das ist allerdings noch keine etablierte Verhaltenstherapie oder tiermedizinische Behandlung. Wenn eine kranke Katze nicht fressen möchte, sollte deshalb nicht eigenständig mit häufigen Futterwechseln experimentiert werden, sondern zunächst die Ursache geklärt werden.
Was wir aus der Studie über Katzen lernen können
Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie stark Katzen ihre Umwelt über ihre Sinne wahrnehmen. Für uns Menschen sieht ein Napf mit demselben Futter jeden Tag gleich aus. Für eine Katze besteht ihre Umwelt aber aus sehr viel mehr Informationen, insbesondere aus Gerüchen.
Dass ein vertrauter Geruch mit der Zeit weniger stimulierend wirken kann, ist deshalb durchaus plausibel. Und es erklärt möglicherweise auch eine Situation, die viele Katzenhalter kennen: Die Katze ist offensichtlich hungrig, aber das Futter, das gestern noch begeistert gefressen wurde, ist heute plötzlich uninteressant. Vielleicht ist sie nicht einfach „wählerisch“. Vielleicht hat ihr Gehirn den vertrauten Geruchsreiz schlicht anders bewertet.
Fazit
Eine aktuelle Studie japanischer Forschender liefert einen neuen Blick auf die Frage, warum Katzen ihre Mahlzeiten manchmal nicht vollständig fressen. Die Ergebnisse zeigen, dass wiederholte Exposition gegenüber demselben Futtergeruch die Futteraufnahme reduzieren kann, während ein neuer Futtergeruch die Fressmotivation wieder erhöhen kann.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Katze Abwechslung im Napf braucht oder dass eine nicht leer gefressene Mahlzeit automatisch auf ein Problem hindeutet. Viel wichtiger ist die Beobachtung des individuellen Fressverhaltens: Frisst deine Katze grundsätzlich kleine Mahlzeiten und verhält sich dabei normal oder hat sich ihr Fressverhalten plötzlich verändert? Im zweiten Fall sollte die Ursache tiermedizinisch abgeklärt werden.
Quelle:
Miyazaki M. et al. (2026): Olfactory habituation and dishabituation dynamically regulate feeding motivation in domestic cats. Physiology & Behavior, Vol. 311, 115328.



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